Mein Ego wog 4 Kilo

Le Martinet, Frankreich im Juli 2015. Wir, die Berliner Gruppe des Kundalini Yoga Teacher Trainings, Level 1 treffen uns dort zu unserem 5. Ausbildungsmodul in dem romantisch in einem Tal der französischen Alpen gelegenen Ashram der Amrit Nam Sarovar Schule. Um uns herum 270 andere Yoga-Lernende und Lehrende aus ganz Europa – insgesamt 17 Gruppen aus 12 verschiedenen Ländern, plus Ausbilder und 50 Helfern, die Seva leisten. (Seva = das selbstlose Dienen in der Gemeinschaft, ein wichtiger Grundpfeiler des Kundalini Yoga nach Yogi Bajhan, http://www.3ho.org/3ho-lifestyle/seva-service

Das Tal mit seinen steilen, staubigen Wegen gleicht einem Ameisenhaufen. Gepäck, Zelte, Schlafsäcke u.v.m. wird über Wurzeln und Steine gezerrt, noch sind die Zeltplätze nicht alle verteilt. Jeder Neuankömmling, der noch im Schweiß der Anreise konserviert ist, freut sich einen bekannten Menschen zu treffen, der schon im nahegelegenen Bach gebadet hat und mit seiner frischen Kühle ein Ende der schweißtreibenden Hitze verkündet. Es sind 37 Grad, die Sonne lacht vom Himmel. Bei jedem noch so kleinen Versuch, über die Hitze zu stöhnen, ersetze ich den Gedanken sofort mit tiefer Dankbarkeit. Schließlich könnte es jetzt auch regnen und wir durch kniehohen Matsch waten, die Zelte schon vor dem Aufbau völlig durchnässt sein. So die Berichte einiger Yoginis aus den vergangenen Jahrgängen. Nein – ich schwitze gerne, ertrage meine Kopfschmerzen und Kurzatmigkeit mit so viel Gelassenheit, wie nur irgend möglich.

Keiner von uns weiß, was auf uns zukommt, außer eine Woche im Zelt, in der Natur mit viel Yoga. Mir war klar, daß diese Woche eine besondere werden wird. Trotz der Ahnungslosigkeit, wusste ich, daß ich am Ende nicht mehr die Gleiche sein werde, die ich vorher war. Auch die widrigsten Umstände, die die Vorbereitungen in Berlin begleiteten, ließen daran keinen Zweifel. Ich wusste, alles wird sich fügen, ich werde hinfahren, und dann sehe ich weiter. Danke Universum für die Gelegenheit, mein Vertrauen zu stärken!

Acht Tage intensive Yogaerfahrung, jeden Morgen beginnend um 3:45 Uhr durch das sanfte Wecken der Musiker, die singend und spielend das ganze Tal abliefen, bis auch das letzte Zelt vom Klang eingehüllt war.  http://www.3ho.org/articles/rise-sweet-family

Zum Ishnaan (https://www.3ho.org/3ho-lifestyle/health-and-healing/hydrotherapy/ ishnaan-science-hydrotherapy) ging es in den rauschenden Gebirgsbach und an-schließend zum Sadhana https://www.3ho.org/kundalini-yoga/sadhana ins Gemein-schaftszelt. Es ist erstaunlich wie reibungslos die morgendlichen Abläufe funktionieren. Überall laufen weiß gekleidete Menschen mit ihren Kopflampen durch die Dunkelheit und strömen sternförmig auf das große Zelt zu. Es sieht aus wie Glühwürmchen, die gemächlich durch die Nacht treiben. Keine großen Staus an den Toiletten oder Waschbecken. Alles verteilt sich, wie durch Zauberhand dirigiert, gleichmäßig und friedvoll über das Gelände. Beeindruckend!

Verpflegt werden wir mit einer abgespeckten Form der yogischen Diät, wie sie auch beim großen Treffen der Kundalinis zur Sommer und Wintersonnenwende in New Mexico gepflegt wird: zum Frühstück eine Banane und eine Orange oder ein Apfel dazu eine leichte Gemüse-Kartoffelsuppe, gegen Abend eine Mischung aus Mungbohnen und Reis (Kichoree), dazu Hot Sauce, gekochte Möhren und Salat. (https://www.3ho.org/3ho-lifestyle/yogic-diet/solstice-diet). Diese Diät unterstützt den Wandlungsprozess, reinigt die Gedärme und hilft dem Körper, sich auch vom geistigen Müll zu befreien. Leider sind beide warme Speisen mit sehr viel Knoblauch zubereitet. Das ist nicht jedermanns Sache. Ich möchte mich gerne auf diese Diät einlassen. Schon allein weil ich weiß, wie wichtig es ist, geistige und energetische Prozesse auf der körperlichen Ebene vorzubereiten und wie sehr es hilft, wenn der Körper während dieser Prozesse nicht mit unnötigen Verdauungs- und Stoffwechselüberschüssen belastet wird. Es gelingt mir für einen Tag, dann muss ich mir leider eingestehen, daß meine Leber unfähig ist, den Knoblauch zu verdauen. Nach einem fast kompletten Fastentag (kann ja nie schaden), bekomme ich das Essen für die Schwangeren – statt Suppe und Kichoree gekochten Quinoa mit etwas Lauch darin. Mir bekommt das sehr gut. Es ist nur recht wenig, was mir allerdings bei den sommerlichen Temperaturen überhaupt nicht auffällt. Es ist viel zu heiß, um richtige Hungerattacken zu haben, und nach den wenigen kalten Nächten wärmt uns der Yogitee und natürlich die liebe Sonne, die wirklich unentwegt scheint.

Nach fünf Tagen kommt das Bewusstsein, daß auch diese Woche vorübergeht. Das Leben, in dem wunderschönen Tal bald wieder vorbei sein wird. Jetzt wo wir uns gerade so richtig eingerichtet haben. Viele könnten einfach bleiben, trotz oder gerade wegen der Intensität, die dort lebt. Alles ist intensiver, als bisher erfahren – das Sadhana, die Yogapraxis (sowohl die eigene, als auch die in der Gruppe) und last but not least natürlich die Erfahrung selbst.

Die Erfahrung, die wir mit anderen und mit/in uns selbst machen. Es ist ein Gefühl, sich durch alle fünf Elemente bewegt zu haben, sich in ihnen aufzulösen und danach durch das Nadelöhr des Egos geschlüpft zu sein, um am anderen Ende bei uns selbst anzukommen.

WAHE GURU!!!

Daheim angekommen schaue ich in den Spiegel und bemerke, daß sich auch auf der physischen Ebene einiges deutlich verändert hat. Ich kann meine Rippen zählen, so etwas gab es bei mir noch nie. Die Neugierde treibt mich auf die Waage – 4 Kilo Gewicht verloren! Mein erster Gedanke: “Mein Ego wog 4 Kilo”, so wie die Seele ja angeblich 21 Gramm wiegen soll, da der menschliche Körper im Moment des Todes um 21 Gramm leichter wird.

Es wäre eine erschreckende Relation, aber irgendwie auch denkbar. Wahrscheinlich lag der Gewichtsverlust allerdings in meinem Fall einzig an der fettfreien Diät und am vielen Schwitzen…. oder!? Wie dem auch sei. Das Gefühl, ganz im Moment zu sein und ganz bei sich ist viel wichtiger.

Ob wir diesen Zustand halten können? Wer weiß das schon. Jedenfalls kann uns nichts mehr diese Erfahrung nehmen. Tief in unserem Herzen bleibt sie eingeschrieben und sicherlich auch abrufbar. Ich atme in mein Herz und erinnere mich 🙂

Dabei hilft mir eines der Mantren, die wir dort viel gesungen haben ganz besonders:

I am the light of the soul, I am bountyful, I am beautiful, I am bliss, I am I am….

https://www.youtube.com/watch?v=i4JSKkMrvCM

https://www.youtube.com/watch?v=MtaV_MaWl2g

Ich singe es wo ich geh und steh – vor allem, wenn ich mit dem Fahrrad zur Arbeit fahre. Probiert es mal aus – es zaubert unweigerlich ein Lächeln auf’s Gesicht 🙂