Sucht

Was ist das eigentlich?

Wir saßen neulich mit einigen Freunden zusammen beim Frühstück – alles Menschen, die mehr oder weniger mit Kundalini Yoga zu tun haben – und sprachen über die Sucht…

  • zu Rauchen
  • nach Süßem, Schokolade & Co.
  • nach Alkohol und Drogen
  • auf Kaffee oder andere aufputschenden Substanzen

Immer wieder fiel der Satz: “Wir tun so viel Gesundes (wie Yoga), da kann man sich ruhig auch mal die ein oder andere Sünde erlauben.”

Da war es wieder das Wort: SÜNDE! Das festverankerte Bild von Gut und Böse, von Sünde und Strafe, was uns immer noch begleitet, obwohl wir es doch alle mittlerweile besser wissen müssten. Es lebe der Konjunktiv!

Also erstmal zurück zum Ausgangspunkt – was hat es mit der Sucht auf sich? Oft heisst es, die Lust nach etwas Bestimmten – Essen, Rauchen etc. – wird erst zur SUCHT, wenn der Körper Entzugserscheinungen entwickelt, sobald wir diese Substanz nicht mehr zu uns nehmen. Um jedoch die Sucht im physischen Körper manifestiert zu haben, wurde dem Körper dieser Stoff schon eine ganze Weile zugeführt oder in entsprechenden Mengen konsumiert. Wir hatten also sehr oft Lust auf z.B. eine Zigarette oder Schokolade und haben die Entscheidung getroffen zu rauchen oder die Schokolade zu essen, obwohl wir beides ja auch hätten weglegen können. In der Regel aus dem Bedürfnis heraus uns ‘etwas Gutes zu tun’ oder ‘etwas zu genießen’. Nun weiß aber jedes Kind, daß eine Zigarette nichts Gutes ist. Das einzig Gute am Rauchen ist, daß dabei oft ein tiefer Atemzug genommen wird, der uns mit wertvollem Prana versorgen kann/könnte – wäre da nicht der schadhafte Rauch dazwischen. Viele Menschen atmen falsch und fühlen sich nur beim Rauchen richtig, weil sie nur da wirklich tief inhalieren. Wir alle kennen das Gefühl, zu wissen, daß etwas eigentlich nicht gut ist, wir tun es aber trotzdem. Womöglich weil wir emotional von dem Geschmack, von dem Geruch oder der Wirkung abhängig sind.

Was ist diese emotionale Abhängigkeit? Ich denke, es ist nichts als eine Projektion, entstanden durch die Verbindung von angenehmen Erinnerungen mit dem Konsum/Geschmack von Schokolade & Co. Ob uns die Werbung diese Projektion eingegeben hat, oder eigene Erfahrungen ist dabei eigentlich gleichgültig. Meine Mutter hat meiner Schwester und mir immer ein Stück Schokolade auf unsere aufgeschlagenen Knie gelegt, wenn wir mal wieder mit dem Fahrrad gestürzt waren oder vom Baum gefallen waren. Natürlich durften wir die Schokolade dann auch essen, nach dem die Tränen versiegt waren. Für mich war Schokolade also lange Zeit ein Trost. Sie hat mich aufgefangen, wenn ich gefallen war. Der süße. samtige Schmelz der Schokolade war wie die tröstende Umarmung meiner Mutter. Schließlich kamen diese zwei Trostpflaster zu oft gemeinsam daher. Folglich aß ich jahrelang Schokolade, wenn ich das Bedürfnis nach Trost hatte, schließlich hatte ich das so gelernt. Kein Wunder, daß ich mit 20 – also nach der Pubertät, dem Ablösungsprozess von den Eltern (und gerade von der Mutter) stolze 100 kg auf die Waage brachte.

Nun Gott-sei-Dank ist das Schöne am Leben, daß wir immer weiter lernen dürfen. Wir können Altes ablegen und Neues erlernen. Wir können lernen uns selbst zu lieben und zu trösten. Dann sind wir frei, Schokolade zu essen ohne davon emotional abhängig zu sein. Denn Schokolade essen ist keine Sünde, es macht Spaß, beruhigt die Nerven und schließlich ist die Kakaobohne  auch ein Antioxidant 😉  Unser Verstand braucht eben immer wieder Argumente, das ist nun mal seine Aufgabe.

Doch noch einmal zurück zu der Unterhaltung neulich am Frühstückstisch und dem immer wiederkehrenden Argument: “Wir tun soviel Gutes für uns, dann können wir uns auch die eine oder andere Sucht erlauben.” Irgendwie saß ich da und dachte für mich – das passt nicht! das ist so gar nicht stimmig! und diesen Glaubenssatz kann ich für mich nicht anwenden. Aber warum? … Vielleicht weil das Leben keine Bilanz ist, es funktioniert einfach nicht, ‘Gut’ gegen ‘Böse’ aufzurechnen. Das Leben folgt anderen Gesetzmäßigkeiten. Es geht darum unsere ganz eigene, innere Wahrheit zu finden und ihr zu folgen. Diese Wahrheit, die nur für Dich gilt und für niemand anderes. Die Wahrheit, die wir spüren, wenn wir meditieren. Sie sitzt tief in uns, in unseren Herzen, in unseren Seelen und sagt uns, was richtig für uns ist. Dabei ist es ganz egal welche Argumente der Verstand für unser Handeln findet oder ERfindet. Wenn man erstmal diesen Zugang zu seiner eigenen Wahrheit gefunden hat, löst sich jede Sucht auf, denn unser Handeln wird nicht mehr durch das Für und Wider von Argumenten bestimmt. Wir lernen unserer Intuition zu vertrauen, loszulassen – die Projektionen, die Zigaretten, die Argumente, den Verstand – und wissen plötzlich was wirklich gut für uns ist. Bei dieser Wahrheit handelt es sich nicht um eine allgemeingültige Wahrheit. Es ist eine Momentaufnahme, die im Hier und Jetzt gilt und morgen anders aussehen darf.  Da gibt es keine absoluten Größen, alles ist relativ – abhängig vom Moment und der Konstellation deines Ichs in genau diesem Augenblick.

Diese wunderbare Heilwirkung überträgt sich ganz automatisch auf unseren physischen Körper und lindert alle ‘krankhaften’ Erscheinungen, auch die, die allgemeinhin als Entzugserscheinungen bekannt sind. Denn unser irdischer Tempel, unser Gefährt, das uns so treu durch unser irdisches Leben transportiert, ist sehr kreativ wenn es darum geht, uns den richtigen Weg anzuzeigen. Krankheit oder Sucht sind nur zwei Kunstwerke aus seinem manigfachen Kreativpotential. Und wie Ihr sicherlich alle schon festgestellt habt – unser Körper wird mit zunehmendem Alter immer kreativer. Ist das nicht schön!? Mich beruhigt dieser Gedanke. Er schenkt mir Vertrauen in das Älter- und Reiferwerden. ❤

Was meine Beziehung zu Süchten angeht: das Rauchen lasse ich komplett weg – es behindert mich einfach zu sehr auf meinem Weg zu mir. Schokolade & Co. begleiten mich immer noch – eben dann wenn’s passt und in der für den Moment entsprechenden Menge. Ich habe überhaupt keine Lust-Attacken mehr, so wie früher und wenn ich heute traurig bin, bitte ich meine Liebsten um Trost oder setz mich einfach hin und meditiere – das hilft immer! 🙂

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hier eine schöne Meditation, die Dich mit Deinem Herzen und Deiner Wahrheit verbindet:

  • Sitze im einfachen Sitz mit aufrechter Wirbelsäule. Die rechte Hand liegt entspannt im Guyan Mudra auf dem rechten Knie. Die linke Hand liegt mit der Handfläche auf dem Herzchakra, so daß der Daumen und der Zeigefinger das Schlüsselbein berühren.
  • Atme lang und tief, d.h. konzentriere Dich bei der Einatmung auf deine Ausdehnung, schaffe Platz in den Gelenken und bei der Ausatmung richte Dich auf, strecke Dich nach oben – lass Dich nicht fallen oder sinke zusammen!
  • Chante im Geist beim Einatmen SAT, beim Ausatmen NAM (Wahre Identität).

Empfohlene Länge: 11 Minuten

Du kannst auch mit 3 Minuten anfangen und langsam steigern auf 11, 22, 31, 62 oder maximum 150 Minuten. Die passende Länge für Dich wird sich Dir zeigen. Am Besten jeden Tag, praktiziere für 40 Tage am Stück.

Viel Spaß!

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